Der Saucony Guide 19 zeigt gut, wie sich moderne Stabilitätsschuhe im Running weiterentwickelt haben. Mit PWRRUN-Dämpfung, CenterPath™-Geometrie, 6 mm Sprengung und einer breiten Plattform geht es heute weniger darum, den Fuß zu „korrigieren“, sondern vielmehr darum, den Bewegungsablauf gezielt zu begleiten.
Doch was leisten diese Technologien tatsächlich? Kann ein stabiler Schuh das Verletzungsrisiko beeinflussen? Muss Pronation korrigiert werden? Ist eine Sprengung von 6 mm besser? Um diese Fragen fundiert zu beantworten, haben wir die Eigenschaften des Saucony Guide 19 mit dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zur Laufbiomechanik abgeglichen.

Saucony Guide 19: die wichtigsten Eigenschaften
Der Guide 19 ist vor allem für das tägliche Straßentraining konzipiert. Die Herrenversion kombiniert:
- PWRRUN-Dämpfung;
- CenterPath™-Führung;
- ca. 35 mm Sohlenhöhe an der Ferse;
- ca. 29 mm im Vorfußbereich;
- eine Sprengung von 6 mm;
- ein Gewicht von rund 275 g;
- eine relativ breite Plattform für Komfort und Stabilität.
Auf dem Papier eignet sich der Schuh damit besonders für lockere Dauerläufe, Grundlagentraining, lange Läufe und regelmäßige Trainingskilometer. Die vollständigen technischen Daten finden Sie auf unserer Produktseite des Saucony Guide 19 für Herren.
Eine technische Beschreibung allein kann jedoch niemals entscheiden, ob ein Schuh tatsächlich zu einem bestimmten Läufer passt.
Pronation ist keine Fehlfunktion
Über viele Jahre wurde die Auswahl von Laufschuhen häufig auf drei Kategorien reduziert: Supination, neutral oder Pronation.
Allein verwendet ist diese Einteilung heute viel zu vereinfachend.
Pronation ist eine natürliche Bewegung des Fußes während der Stützphase. Beim Bodenkontakt passt sich der Fuß an den Untergrund an und beteiligt sich an der Verarbeitung mechanischer Belastungen. Ein gewisses Maß an Pronation gehört daher bei vielen Läufern zur normalen Laufmechanik.
927 Laufanfänger über ein Jahr beobachtet
Eine prospektive Studie von Nielsen et al., veröffentlicht im British Journal of Sports Medicine, begleitete 927 Laufanfänger über ein Jahr. Alle Teilnehmer liefen in neutralen Schuhen.
Die Forscher fanden bei Läufern mit moderater Pronation kein signifikant erhöhtes Verletzungsrisiko im Vergleich zu Läufern mit neutral eingestufter Fußhaltung.1
Pronation bedeutet also nicht automatisch, dass ein korrigierender Schuh erforderlich ist.
Das heißt nicht, dass die Bewegung des Fußes irrelevant wäre. Sie sollte jedoch immer im Zusammenhang mit dem dynamischen Laufbild, der Vorgeschichte, dem Komfort, der Trainingspraxis und der Reaktion auf verschiedene Schuhe betrachtet werden.
Diesen Ansatz erklären wir auch in unserem Beitrag Wozu dient eine Laufanalyse?.
CenterPath™: den Bewegungsablauf führen statt blockieren
Genau hier wird die Philosophie des Guide 19 interessant.
Frühere Stabilitätsschuhe verwendeten häufig relativ feste Elemente, um bestimmte Fußbewegungen mechanisch zu begrenzen. Modernere Konzepte arbeiten stärker mit der Gesamtgeometrie des Schuhs: Breite der Plattform, Seitenwände, Position des Fußes und Übergang durch die Stützphase.
Saucony bezeichnet diesen Ansatz als CenterPath™. Beim Guide 19 kombiniert das System eine breitere Plattform mit einer Geometrie, die den Bewegungsablauf progressiv begleiten soll.
Dabei sollte man zwei Begriffe klar unterscheiden:
Stabilität ≠ Immobilisierung.
Ein Schuh kann sich stabil anfühlen, ohne die natürlichen Bewegungen des Fußes vollständig zu blockieren. Diese Entwicklung passt zu neueren wissenschaftlichen Paradigmen rund um Laufschuhe.2
Können Stabilitätsschuhe das Verletzungsrisiko senken?
Eine randomisierte Studie von Malisoux et al. im British Journal of Sports Medicine verglich Standardschuhe mit Schuhen, die ein Motion-Control-System integrierten.3
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Schuhtyp das Verletzungsrisiko beeinflussen kann und dass dieser Effekt je nach Eigenschaften des Läufers unterschiedlich ausfallen kann.
Wichtig ist jedoch: Diese Studie untersuchte nicht speziell den Saucony Guide 19. Sie erlaubt daher nicht die Aussage, dass der Guide 19 Verletzungen verhindert.
Die wichtigere Schlussfolgerung lautet: Die Wechselwirkung zwischen Läufer und Schuh ist entscheidender als eine einzelne Technologie für sich.
PWRRUN: bedeutet mehr Dämpfung automatisch mehr Schutz?
Der Guide 19 verwendet eine PWRRUN-Zwischensohle. Unter Belastung verformt sich der Schaum und gibt anschließend einen Teil der gespeicherten Energie zurück.
Es wäre verlockend, daraus direkt abzuleiten:
mehr Dämpfung = weniger Aufprall = weniger Verletzungen.
Die menschliche Biomechanik ist jedoch deutlich komplexer.
Eine Studie mit 848 Freizeitläufern
Malisoux und Kollegen untersuchten 848 Freizeitläufer, um den Einfluss verschiedener Dämpfungseigenschaften auf das Verletzungsrisiko zu analysieren.4
Die Ergebnisse zeigen, dass Dämpfungseigenschaften einen Einfluss haben können, gleichzeitig aber auch, wie komplex die Beziehung zwischen Schuh und Läufer ist.
Der Körper passt seine Mechanik an das Material unter dem Fuß an. Veränderungen bei Weichheit oder Geometrie können die Beinstifigkeit, Gelenkbewegungen oder den Fußaufsatz beeinflussen.
Läufer und Schuh bilden also ein System.
Eine systematische Übersichtsarbeit zur Konstruktion von Laufschuhen bestätigt ebenfalls, dass verschiedene Designelemente bestimmte biomechanische Parameter verändern können.5
Ist die 6-mm-Sprengung des Guide 19 besser?
Der Saucony Guide 19 besitzt ungefähr 35 mm an der Ferse und 29 mm im Vorfußbereich. Daraus ergibt sich eine Sprengung von 6 mm.
Die Sprengung beschreibt den Höhenunterschied zwischen Ferse und Vorfuß. Aber ist 6 mm grundsätzlich besser als 10 mm oder 0 mm?
Die wissenschaftliche Antwort lautet: nicht pauschal.
553 Läufer mit drei unterschiedlichen Sprengungen
Eine randomisierte Studie von Malisoux et al. begleitete 553 Läufer über sechs Monate. Die Teilnehmer verwendeten Schuhe mit 10 mm, 6 mm oder 0 mm Sprengung.6
In der Gesamtpopulation wurde kein signifikanter allgemeiner Unterschied beim Verletzungsrisiko zwischen den drei Gruppen festgestellt.
Es gibt daher keine universell beste Sprengung.
Mehr dazu finden Sie in unserem Artikel Was bedeutet die Sprengung bei Laufschuhen?.
Eine starke Änderung der Sprengung ist dennoch nicht bedeutungslos
Dass es keine universell optimale Sprengung gibt, bedeutet nicht, dass dieser Parameter unwichtig ist.
Eine starke Abweichung von der gewohnten Schuhgeometrie kann die Verteilung mechanischer Belastungen verändern. Wer über Jahre in einem bestimmten Schuhtyp trainiert hat, kann daher bei einer deutlichen Veränderung eine Anpassungsphase benötigen.
Eine randomisierte Studie zur Anpassung an unterschiedliche Sprengungen zeigte, dass sich bestimmte Laufparameter verändern können und Läufer sich schrittweise anpassen.7
Deshalb sollte bei der Schuhwahl immer auch die bisherige Trainings- und Schuhhistorie berücksichtigt werden.
Preferred Movement Path: die natürliche Bewegungsstrategie respektieren
2015 schlugen Professor Benno Nigg und Kollegen ein besonders interessantes Konzept vor: den Preferred Movement Path.8
Nach dieser Hypothese besitzt jeder Läufer einen bevorzugten Bewegungsablauf. Ein geeigneter Schuh sollte dem Körper ermöglichen, möglichst nah an diesem Bewegungsmuster zu bleiben, statt eine völlig andere Mechanik zu erzwingen.
Die Frage lautet dann nicht mehr nur:
„Pronieren Sie?“
Sondern:
„Wie verhält sich Ihr Körper in diesem Schuh?“
Komfort ist kein Nebenkriterium
Dieselbe Arbeit beschreibt auch den Comfort Filter: Das subjektive Komfortempfinden kann eine relevante Information bei der Schuhauswahl sein.8
Zwei Schuhe mit sehr ähnlichen technischen Daten können sich vollkommen unterschiedlich anfühlen.
Der Komfort hängt unter anderem ab von:
- Fußform und Fußvolumen;
- Platz im Vorfußbereich;
- Fersenhalt;
- Eigenschaften der Zwischensohle;
- Schuhgeometrie;
- empfundener Stabilität;
- bisherigen Schuhgewohnheiten.
Das Komfortempfinden ersetzt die biomechanische Beobachtung nicht: es ergänzt sie.
Wie sollte man Laufschuhe wirklich auswählen?
Die wissenschaftliche Literatur spricht zunehmend für eine individualisierte Vorgehensweise.
Idealerweise berücksichtigt die Schuhwahl:
- den Läufer: Morphologie, Erfahrung und Vorgeschichte;
- den Laufstil: dynamisches Verhalten während des Laufens;
- den Einsatzzweck: Distanz, Untergrund, Häufigkeit und Ziele;
- bisherige Schuhe und Gewohnheiten;
- den getesteten Schuh: Dämpfung, Sprengung, Geometrie und Stabilität;
- Komfort und subjektive Empfindungen.
Unser Ratgeber Wie wählt man die richtigen Laufschuhe? erklärt diesen Ansatz ausführlicher.
Für welchen Läufer ist der Saucony Guide 19 interessant?
Auf Grundlage seiner Konstruktion — nicht als medizinische Empfehlung — erscheint der Guide 19 besonders interessant für Läufer, die Folgendes suchen:
- einen Schuh für das tägliche Training;
- komfortable Dämpfung;
- eine relativ stabile Plattform;
- progressive Führung;
- eine moderate Sprengung von 6 mm;
- einen Schuh für regelmäßige Trainingskilometer.
Typische Einsatzbereiche sind lockere Dauerläufe, Grundlagentraining, Regeneration und lange Läufe.
Technische Daten und Verfügbarkeit finden Sie beim Saucony Guide 19 bei Tripp Sport.
Was die Wissenschaft über den Guide 19 NICHT behaupten lässt
Wissenschaftliche Erkenntnisse und Marketingaussagen sollten klar getrennt werden.
Wir können nicht wissenschaftlich behaupten, dass:
- der Guide 19 Verletzungen verhindert;
- er Pronation automatisch „korrigiert“;
- 6 mm Sprengung für jeden besser sind;
- mehr Dämpfung automatisch mehr Schutz bedeutet.
Es gibt derzeit keine klinische Studie speziell zum Saucony Guide 19, die solche Aussagen belegen würde.
Die Literatur zeigt jedoch klar, dass die Auswahl eines Laufschuhs multifaktoriell ist.
Laufanalyse: Theorie und Praxis zusammenbringen
Genau deshalb besteht unsere Laufanalyse bei Tripp Sport nicht einfach darin, den Fuß einige Sekunden zu beobachten und ihn als „Pronierer“, „neutral“ oder „Supinierer“ einzuordnen.
Unsere Analyse kombiniert die Betrachtung bisheriger Schuhe, Fußvermessung, Laufband, Videoanalyse, biomechanische Analyse, Auswahl verschiedener Modelle und vergleichende Tests.
Der Ablauf lässt sich so zusammenfassen:
Beobachten → Vergleichen → Spüren → Auswählen.
Ziel ist es, einen Schuh zu finden, der zu Ihrem Laufstil, Ihrer Morphologie, Ihrer Trainingspraxis und Ihrem Empfinden passt.
Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Wozu dient eine Laufanalyse?.
Unsere Einschätzung zum Saucony Guide 19
Der Saucony Guide 19 steht beispielhaft für die neue Philosophie moderner Stabilitätsschuhe.
Es geht nicht mehr nur darum, eine bestimmte Fußbewegung zu blockieren.
Führen → stabilisieren → begleiten.
Die Kombination aus PWRRUN, CenterPath™, breiter Plattform und 6 mm Sprengung macht ihn zu einer interessanten Option für Läufer, die Komfort und Stabilität im Alltagstraining suchen.
Der beste Schuh ist jedoch nicht zwangsläufig der mit dem beeindruckendsten Datenblatt.
Es ist der Schuh, der mit Ihrem Laufstil funktioniert.
Guide 19 oder ein anderes Modell? Vor dem Kauf testen
Wenn Sie zwischen dem Guide 19 und einem anderen Modell schwanken, sind technische Informationen ein guter Ausgangspunkt. Das Testen bleibt jedoch entscheidend.
→ Saucony Guide 19 und technische Daten ansehen
→ Laufanalyse bei Tripp Sport buchen
So können Sie verschiedene Modelle direkt vergleichen und die technischen Eigenschaften mit dem Verhalten beim Laufen und vor allem mit Ihren eigenen Empfindungen abgleichen.
Wissenschaftliche Quellen
- Nielsen RO, Buist I, Parner ET, et al. Foot pronation is not associated with increased injury risk in novice runners wearing a neutral shoe: a 1-year prospective cohort study. British Journal of Sports Medicine. 2014;48(6):440–447. DOI: 10.1136/bjsports-2013-092202.
- Anderson LM, Bonanno DR, Hart HF, Barton CJ. Running Injury Paradigms and Their Influence on Footwear Design Features and Runner Assessment Methods: A Focused Review to Advance Evidence-Based Practice for Running Medicine Clinicians. Frontiers in Sports and Active Living. 2022.
- Malisoux L, Chambon N, Delattre N, Gueguen N, Urhausen A, Theisen D. Injury risk in runners using standard or motion control shoes: a randomised controlled trial with participant and assessor blinding. British Journal of Sports Medicine. 2016;50(8):481–487. DOI: 10.1136/bjsports-2015-095031.
- Malisoux L, Delattre N, Urhausen A, Theisen D. Shoe Cushioning Influences the Running Injury Risk According to Body Mass: A Randomized Controlled Trial Involving 848 Recreational Runners. American Journal of Sports Medicine. 2020. DOI: 10.1177/0363546519892578.
- Sun X, Lam WK, Zhang X, Wang J, Fu W. Systematic Review of the Role of Footwear Constructions in Running Biomechanics: Implications for Running-Related Injury and Performance. Journal of Sports Science & Medicine. 2020;19:20–37.
- Malisoux L, Chambon N, Urhausen A, Theisen D. Influence of the Heel-to-Toe Drop of Standard Cushioned Running Shoes on Injury Risk in Leisure-Time Runners: A Randomized Controlled Trial With 6-Month Follow-up. American Journal of Sports Medicine. 2016;44(11):2933–2940. DOI: 10.1177/0363546516654690.
- Malisoux L, et al. Adaptation of running pattern to the drop of standard cushioned shoes: A randomised controlled trial with a 6-month follow-up. Journal of Science and Medicine in Sport. 2017;20(8):734–739. DOI: 10.1016/j.jsams.2017.01.238.
- Nigg BM, Baltich J, Hoerzer S, Enders H. Running shoes and running injuries: mythbusting and a proposal for two new paradigms: preferred movement path and comfort filter. British Journal of Sports Medicine. 2015;49(20):1290–1294. DOI: 10.1136/bjsports-2015-095054.
Methodischer Hinweis
Die in diesem Artikel zitierten Studien beschäftigen sich mit Laufbiomechanik, Schuhkonstruktion und laufbezogenen Verletzungen. Sie sind keine klinischen Studien speziell zum Saucony Guide 19. Sie helfen dabei, bestimmte Prinzipien seiner Konstruktion wissenschaftlich einzuordnen, beweisen jedoch nicht, dass dieses Modell Verletzungen verhindert oder behandelt.
Bei anhaltenden Schmerzen oder Verletzungen sollte ein geeigneter medizinischer Fachmann konsultiert werden; eine Schuhanalyse ersetzt keine medizinische Beratung.